1198

Hävern – 800 Jahre ( Artikel aus der Häverner Festzeitung vom Mai 1998)

Hävern und die Weser – Hävern und das Wasser: Seit Menschengedenken eine Schicksalsgemeinschaft! Die frühe bäuerliche Siedlung lag nicht nur – wie viele Weserdörfer – am Fluss, sondern sie war von dem noch unkorrigiert verlaufenden Strom umgeben. Obwohl Eingriffe während der vergangenen 4 Jahrzehnte die Landschaftsoberfläche deutlich veränderten, sind auch heute alte Weserarme zu ahnen. Deutlicher werden sie bei starken Hochwassern. So verlief die Weser mit einem zweiten Arm nördlich durch das heutige Ovenstädter Kiesgrubengelände, machte in Höhe der Gemarkung Glissen / Kleinenheerse die Wendung nach Osten, folgte dem Rottbach und floss dann in den heutigen Strom. Ein weiterer Seitenarm könnte zwischen den heutigen Höfen Wagner bzw. Schröder und Holthöfer durch die “Laake” bzw. “Notkuhle” seinen Weg durch die Siedlung gefunden haben. Alte Flurnamen wie “Ole Weser” oder “Alte Weserkamp” unterstützen diese Theorie, die letztlich deutlich macht, dass die Siedlung Hävern eine Insel im Strom bildete, und dies nicht nur bei Hochwassern, wenn der Strom ungeführt mehre Kilometer breit das Wesertal zwischen Ovenstädt, Windheim und Döhren füllte. Auch der altdeutsche Name “Heveren” trägt zu dieser Theorie bei. Er bedeutet soviel wie “Erhebung” aus dem Flussbett. Und letztlich waren es auch die Höfe auf dem “Lindenberg” (dem Platz an der heutigen Kreuzung von
Häverner Dorfstraße / Häverner Eck und Häverner Brink), die bei extremen Hochwassern noch trocken standen und eine Insel im Weserstrom bildeten. Die Besiedelung der fruchtbaren Wesermarsch im Raum Hävern fand wahrscheinlich schon früh vor unserer Geschichtsschreibung statt. Ein Zeit- und Augenzeuge berichtet, dass bei der ersten Abgrabung der Kiesgrube Baltus am “Großen Werder” in der Weserschleife gegenüber Döhren im September 1971 nicht nur der “Häverner Einbaum” geborgen wurde, sondern dass bereits vorher in der Nähe dieser Fundstelle 2 Einbäume (sie gingen zu Bruch), gut erhaltene Eichenpfähle (die auf Pfahlbauten hinwiesen), Kupferkessel, ein Totenschädel entdeckt wurden, alles Anzeichen einer frühen Besiedelung. Leider konnten diese Funde nicht weiter historisch ausgewertet werden. Vom Häverner Einbaum wird noch berichtet. Die Aufzeichnungen der Geschichte Häverns beginnen mit dem Jahr 1198. Aus einem Brief des früheren Häverner Lehrers und Chronisten Herbert Baltruweit an den Verfasser: “Die Zahl 1198 fand sich nach langem Mühen im Staatsarchiv Detmold-Alverdissen. Darin wird Hävern zuerst erwähnt, und zwar im Hoyer Urkundenbuch.” Dort heißt es: “Bischof Thetmar zu Minden überlässt dem Kloster Walsrode einen Zehnten zu Graesbeck gegen 2 Hufen in Stöcken- anderthalb Hufen zu Hevern.” Leider sind die Originalurkunden, die wir gerne in Kopie gezeigt hätten, 1943 durch Kriegseinwirkungen vernichtet worden. Der Chronist schreibt weiter: Die nächste urkundliche Erwähnung stammt aus den Westfälischen Urkundenbüchern: Im Jahr 1229 erwarb das Mindener Domkapitel Vogteirechte über Güter in Hävern und 1277 über solche in Werder, einer “Wüstung”, die später an Hävern fiel. 1284 wird eine “domus in Hevern” erwähnt. Gleichfalls aus dem 13. Jahrhundert datiert folgende Eintragung: “Bischof Konrad von Minden bestätigt den Verkauf der Vogteirechte über die Domgüter in Garbsen, Hävern….. durch den Edlen Gottschalk von Slon.” Schon 1265 gab es zwei “eigenbehörige Stätten” von je 264 Morgen sowie eine nach Meierrecht vergebene Besitzung von 92 1/2 Morgen in Hävern. Um 1460 wird die Wüstung “Werder erneut erwähnt; sie ist identisch mit der um 1550 genannten Konsolation “Nüring”. Mit diesem ersten in Zusammenhang mit Hävern genannten Familiennamen nimmt die Geschichte Häverns auch “persönliche Züge” an.

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